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12. Oktober 2026

S/4HANA Migration: Stolperfallen vermeiden

Symbolbild: S/4HANA Migration: Stolperfallen vermeiden

Die Migration auf SAP S/4HANA ist für viele Unternehmen eines der komplexesten IT-Vorhaben der vergangenen Jahre. Dabei scheitern Projekte selten an fehlender Technologie – sondern an unterschätzten organisatorischen, datentechnischen und prozessualen Herausforderungen. Wer die häufigsten Fallstricke kennt, kann ihnen gezielt aus dem Weg gehen.

Datenqualität: Das unterschätzte Fundament

Ein klassischer Fehler: Die Datenmigration wird zu spät angegangen. S/4HANA stellt deutlich strengere Anforderungen an die Datenstruktur als ECC – insbesondere bei Stammdaten wie Kunden, Lieferanten und Materialien. Das neue Business-Partner-Konzept etwa erfordert eine vollständige Konsolidierung von Debitoren- und Kreditorenstammdaten, was in gewachsenen Systemlandschaften erheblichen Aufwand bedeutet. Unternehmen, die erst kurz vor dem Go-live mit der Datenbereinigung beginnen, riskieren Projektverzögerungen oder fehlerhafte Migrationsergebnisse.

Fehlende Prozessanalyse vor der technischen Umsetzung

S/4HANA ist kein reines Upgrade, sondern ein Plattformwechsel mit veränderten Geschäftsprozessen. Viele Unternehmen übernehmen jedoch ihre bestehenden ECC-Prozesse nahezu unverändert – inklusive aller historisch gewachsenen Anpassungen und Z-Entwicklungen. Das Ergebnis: ein neues System, das wie das alte funktioniert, aber teuer zu betreiben ist und die Vorteile von S/4HANA kaum nutzt. Eine gründliche Prozessanalyse und Bereinigung des bestehenden Customizings vor der Migration ist deshalb keine optionale Maßnahme, sondern eine Grundvoraussetzung.

Fit-to-Standard vs. individuelle Anpassungen

SAP empfiehlt den „Fit-to-Standard“-Ansatz: Standardprozesse übernehmen, Eigenentwicklungen reduzieren. In der Praxis ist das leichter gesagt als getan. Fachbereiche haben oft jahrelange Gewohnheiten und spezifische Anforderungen, die im Standard nicht abgebildet sind. Hier ist ein klares Entscheidungsframework nötig: Welche Abweichungen vom Standard sind wirklich geschäftskritisch? Welche lassen sich durch Prozessänderungen auflösen? Diese Fragen müssen frühzeitig und verbindlich beantwortet werden – idealerweise mit Beteiligung der Fachbereiche, nicht nur der IT.

Testen: Zu wenig Zeit, zu wenig Tiefe

Integrationstests werden in Migrationsprojekten regelmäßig zu knapp bemessen. Dabei ist gerade das Zusammenspiel zwischen migrierten Daten, angepassten Prozessen und angebundenen Systemen die häufigste Fehlerquelle im Produktivbetrieb. Realistische Testzyklen mit repräsentativen Datenmassen und definierten Testszenarien aus dem Tagesgeschäft sind unverzichtbar.

Change Management nicht vergessen

Technisch saubere Migrationen scheitern im Betrieb, wenn die Anwender nicht mitgenommen werden. Veränderte Oberflächen, neue Prozesspfade und abweichendes Systemverhalten führen zu Frustration und Fehleingaben. Schulungen und begleitende Kommunikation sind keine Randthemen – sie entscheiden über die tatsächliche Akzeptanz im Unternehmen.

Eine S/4HANA-Migration gelingt dann, wenn sie nicht als reines IT-Projekt verstanden wird, sondern als unternehmensweites Transformationsvorhaben. Wer Datenqualität, Prozessdesign, Testtiefe und Change Management von Anfang an gleichwertig behandelt, legt die Basis für einen stabilen Produktivstart.